„Miar wüschan eu a guats Neujôhr und a glückselige Sterbstund“. So betrat ich vor über 70 Jahren am Silvestertag jedes Haus im Dorf und trug das Neujahrsgedicht vor. Auch heute noch ziehen Kinder mit Neujahrsgedichten von Haus zu Haus, um Glück und Segen zu bringen. Das Wetter jedoch reagierte im vergangenen Jahr nur wenig auf die Wünsche der „Neujahrskinder“, es spielte eher verrückt. Das Jahr 2024 begann nämlich so, wie das alte zu Ende ging: viel zu warm, wenig Schnee, eher ein Vorgeschmack auf den Frühling. Am 6. Jänner kam eine Kehrtwende. Es flockte vom Himmel und wurde winterlich kalt. Doch auf die großen Schneemengen wartete man den ganzen Winter vergeblich.
Um die Gäste bei Humor zu halten, hatten die Bergbahnen eine besondere Idee. Sie machten die Talstation der nostalgischen Zweier-Sesselbahn Niggenkopf jeden Freitag zwischen 12 und 15 Uhr zu einem Treffpunkt für Singles. Dort konnte man ganz unkompliziert eine passende Begleitung kennenlernen. Die erste Fahrt mit dem Lift bot in luftiger Höhe ausreichend Zeit für das Knüpfen netter Bekanntschaften und interessanter Gespräche. Nach der einen oder anderen Skiabfahrt kehrte man gemütlich auf der „Soundterrasse Niggenkopf“ ein. Dort wärmte man sich bei einem heißen Getränk auf und ließ den Tag in geselliger Runde ausklingen. Ende März war es mit dem Singletreff vorbei. Ein Föhnsturm legte alle Bahnen lahm und die Skisaison war früher als vorgesehen beendet.
Die Windanfälligkeit im Brandnertal brachte den Bergbahnen eine weitere Neuigkeit. In Vorarlberg gibt es noch keine große Windkraft-Anlage. Das soll sich ändern, denn eine Studie des Landes hat ergeben, dass das Windpotential im Brandnertal groß ist. Folglich wurden auf dem Dach der Bergstation der Gulmabahn Messungen durchgeführt. Wir Brandner wissen dies auch ohne Studie längst, denn nicht umsonst heißt es: „Dr Pföh ischt dr ältescht Branner“.
Der Sommer bescherte uns witterungsmäßig einen Mix aus starken Regentagen, Trockenheit und Hitze. Heftige Gewitter wie in anderen Regionen verschonten uns aber. Am 14. September kam ein plötzlicher Kälteeinbruch und es schneite in großen Mengen bis auf 1.200 Meter herab. Spontan präparierten die Bergbahnen einen Rodelhang bei der Bergstation der Palüdbahn. Viele Familien nahmen das nicht alltägliche Angebot begeistert an und es herrschte reger Rodelbetrieb. Eine verrückte Welt!
Auch in der Gemeinde tat sich einiges. Die Gemeindepolitik beschäftigte sich schon länger mit der Sicherung der Nahversorgung. Nun ist das Problem gelöst, es wird ein Dorfladen gebaut. Dabei soll das operative Geschäft in eine eigene Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) als hundertprozentige Tochter der Gemeinde ausgelagert werden. Ende September wurde mit den Bauarbeiten begonnen, die Eröffnung ist für Juni 2025 geplant.
Was wäre, wenn einmal kein Trinkwasser fließt? Um diesem Szenario entgegenzuwirken, investiert die Gemeinde laufend in die Sicherung der Trinkwasserversorgung und stellte die 2023 im Mühledärfle begonnene Erweiterung des Leitungsnetzes mit einem zusätzlichen Ringschluss fertig. Weiters wurde die Wiesle-Brücke saniert und auf Teilbereichen von Gemeindestraßen der Belag erneuert. Die 1880 errichtete Gemeindesäge erhielt eine neue Dacheindeckung mit Holzschindeln. Ein bedeutendes Projekt ist der Bau der neuen Loischkopfbahn, welche die Attraktivität des Brandnertaler Skigebietes nachhaltig aufwerten wird.
Da es im Brandnertal derzeit zu viele touristische Gremien gibt, welche dieselben Interessen verfolgen, beriet die Gemeindevertretung darüber, ob es nicht sinnvoll wäre, eine „Brandnertal Tourismus GmbH“ zu gründen. Dieser GmbH sollen die Gemeinden Brand, Bürserberg und Bürs sowie die Bergbahnen Brandnertal angehören. Die neue, talübergreifende Struktur im Tourismus soll helfen, effizienter und zukunftsorientierter zu agieren und die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg zu stärken.
Hotellerie und Gastronomie sind mit dem abgelaufenen Jahr durchaus zufrieden. Rund 310.000 Übernachtungen wurden gezählt. Der Großteil davon waren Gäste aus Deutschland, gefolgt von Schweizern und Niederländern. Die Bergbahnen Brandnertal erzielten ebenfalls ein passables Betriebsergebnis. Gegenüber dem Vorjahr gab es eine Umsatzsteigerung, wobei der Sommerbetrieb besonders erfreulich war.
Das Romantikhus im Dorfzentrum, ein Haus mit einer bewegten Geschichte, betreibt wieder eine Familie Beck, wie zu Anfangszeiten vor über 140 Jahren. Christian Beck hat das Haus mit Restaurant und Appartements Anfang des Jahres erworben. Die Familie ist in Brand keine Unbekannte. Sie bewirtschaftet seit Jahren die Totalphütte oberhalb des Lünersees und führte bis zum Kauf des Romantikhus auch die Palüdhütte. Das Restaurant soll als Jahresbetrieb geführt werden.
Die Gründung der Vorarlberger Illwerke hatte großen Einfluss auf die Gemeinden und Menschen. Im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre Energie aus Vorarlberg“ luden illwerke vkw am 20. August in den Gemeindesaal. Unter der Moderation von Markus Barnay erzählten die drei Brandner Zeitzeugen Maria Müller, Josef Bitschi und DI Manfred Beck vom Bau des Lünerseekraftwerkes in den 1950er Jahren und die vielen Geschichten dahinter. Dabei kam auch der Austausch mit den zahlreichen Zuhörern nicht zu kurz. Im Anschluss informierte DI Stefan Wachter von den Vorarlberger Illwerken über den aktuellen Projektstand des Lünerseewerkes II.
Am 26. August wurden Bergrettung und Feuerwehr zu einem nicht alltäglichen Einsatz gerufen. Im Zalimtal stürzte ein Flugzeug ab. Die Wrackteile waren auf einem Gebiet von rund 10 km² verstreut. Eine groß angelegte Suchaktion nach der Fluggastzelle blieb zunächst wegen dichtem Nebel ohne Erfolg. Erst am Tag danach konnte ein Helikopter bei besseren Wetterbedingungen aufsteigen. Der Sichtungsflug führte rasch zum Erfolg. Die Fluggastzelle wurde südwestlich des Mottakopfes in rund 1.500 Meter Seehöhe entdeckt. Der 59-jährige Pilot des aus Italien kommenden Kleinflugzeugs überlebte das Unglück nicht. Was genau für den Absturz verantwortlich war, werden Experten ermitteln.
Das bei Gästen sehr beliebte wöchentliche Platzkonzert der Trachtenkapelle fiel witterungsbedingt mehrmals aus. Erwähnenswert ist, dass Alois Beck mit seinen 87 Jahren immer noch aktiv bei der Trachtenkapelle und den Alphornbläsern mitwirkt. Anfang September verabschiedeten sich unsere Musikanten mit einem zünftigen Dämmerschoppen von den treuen Gästen.
Im Oktober fand das Festival der Kleinkunst mit Gauklern, Zauberern und Artisten statt. Treffpunkt war die Bergstation der Palüdbahn. Klein und Groß wurden an verschiedenen Stationen entlang des Rundweges mit artistischen Tricks und Akrobatik zum Staunen gebracht. Auf der Terrasse des Bergrestaurants Goona beeindruckte ein Kasperltheater die kleinen Gäste. Für eine stimmungsvolle musikalische Atmosphäre sorgten zudem ein irischer Akkordeonspieler sowie der Chor CANTEMUS aus Bürserberg mit Liedern aus dem Ländle, aus Österreich und der ganzen Welt.
Im Oktober wählten die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger einen neuen Landtag. Die konstituierende Sitzung am 6. November war für unser Dorf ein besonderer Tag, denn der Brandner Christof Bitschi wurde zum Statthalter, zum Stellvertreter des Landeshauptmannes, gewählt. Trotz seines jugendlichen Alters von 33 Jahren bringt er viel Erfahrung mit, denn er gehörte bereits zehn Jahre als Abgeordneter dem Landtag an. Wir Brandner sind sehr stolz und wünschen Christof in seiner neuen politischen Tätigkeit viel Freude, Schaffenskraft und Erfolg.
Walter Huber, Hotelier vom Alpenhotel Zimba, drehte in den Jahren 1976 bis 1986 als damals junger Skilehrer einige Filme über Brand. Nach über 45 Jahren stellte er Ende November 2024 im Gemeindesaal in Brand einen Teil seiner damaligen Dreharbeiten der Öffentlichkeit vor. Es kamen die Filme „Ski Schnee Holiday“, „Brand im Sommer“ und „Das Leben eines Bergbauern“ zur Vorführung. Die großen „Filmstars“ waren fast ausschließlich Einheimische. Ein voller Gemeindesaal staunte nicht wenig über die Zeiten von anno dazumal.
Brand ist ab der kommenden Wintersaison um eine Skischule reicher. Mit einem Team aus engagierten Skilehrern gründete Daniel Jenny als Skischulleiter die Skischule „Brand Alpin“.
Ab dem 20. November schneite es ergiebig, die Bergbahnen konnten am 30. November mit einem Wochenendbetrieb in die Skisaison starten. Ab 13. Dezember liefen alle Bahnen täglich. Vor Weihnachten schneite es nochmals so richtig. Dann folgte strahlender Sonnenschein und bei besten Schneebedingungen und zufriedenen Gästen klang das Jahr 2024 aus.
Geburten
Drei Buben erblickten das Licht der Welt.
Jubilare
90 Jahre: Eugenie Beck, Ernst Bitschi, Theresia Nesler 85 Jahre: Emil Bitschi, Kurt Geiger, Maximilian Girardi, Friedrich Haftel, Lorenz Mähr, Ulrike Mayr, Hilde Meyer, Raimund Meyer, Elvira Nesler, Elisabeth Schallert, Helga Wirth 80 Jahre: Ilse Beck, Elisabeth Burtscher, Annemarie Netzer, DI Eugen Schedler
Sterbefälle
Mag. Alexander Bitschi, 53 Jahre Ilse Juliane Bitschi, 75 Jahre Reinhard Ganahl, 94 Jahre Theresia Huber, 96 Jahre Wilhelm Nesler, 88 Jahre Helga Wirth, 85 Jahre
Ich sagte immer: „Wenn ich 85 Jahre werde, wird es Zeit, aufzuhören“. So ist es auch! Mit diesem Beitrag sage ich allen treuen Leserinnen und Lesern der Walserheimat „pfüatne mitanand“.